Zeit, dass sich was dreht

Eine Wasserkraftturbine sorgte in den Mauern der Merziger Fellenburgmühle fast 100 Jahre lang für den Antrieb. Nun wird das Schaufelrad erneuert.

Dafür, dass es in der Fellenbergmühle derzeit nicht rund läuft, sind unter anderem die Stadtwerke Merzig verantwortlich: Gemeinsam mit der Firma Wiegert & Bähr Maschinenbau haben Mitarbeiter der Stadtwerke im April das Schaufelrad der Turbine ausgebaut, um sie eins zu eins nachbauen zu lassen. Einige Monate konnte und kann sich die Turbine während der Reparaturarbeiten nicht drehen und die Maschinen des Feinmechanischen Museums antreiben. Doch schon in absehbarer Zeit wird es dafür umso besser laufen in der Fellenbergmühle. Wir haben Bernhard Wallmeyer, Geschäftsführer der Firma Wiegert & Bähr Maschinenbau, dazu näher befragt. Sein Team kümmert sich um die Arbeiten an der Wasserkraftturbine.

Herr Wallmeyer, warum muss die Wasserkraftturbine eigentlich saniert werden?

Bernhard Wallmeyer: Die Turbine hat inzwischen fast 100 Jahre auf dem Buckel. In ein paar Jahren wäre ihr Turbinenrad mit Sicherheit auseinandergefallen. Daher ist es sinnvoll, es nun zu erneuern. Um das möglich zu machen, wenden wir ein modernes und zeitgemäßes Verfahren an.

Wie stark muss die Wasserkraftturbine erneuert werden?

Bernhard Wallmeyer: Die fast 100 Jahre haben definitiv Spuren hinterlassen. Ich muss ehrlich sagen, dass ich selten ein Turbinenrad in so schlechtem Zustand gesehen habe. Normalerweise versuchen wir, das Turbinenrad zu sanieren und auf den neuesten Stand zu bringen, aber in diesem Fall muss es auf jeden Fall ersetzt werden. Genauso wie die 16 Leitschaufeln, die Turbinenwelle und das Turbinenlager. Im Grunde muss alles, was sich irgendwie bewegt und dreht, erneuert werden. Aber es gibt auch Teile, denen die 100 Jahre scheinbar nicht viel ausgemacht haben und die auch künftig in der Maschine bleiben werden.

Alle warten gespannt darauf, dass sich die turbine wieder dreht. Wann ist es so weit?

Bernhard Wallmeyer: Wir warten derzeit noch auf die Lieferung des neuen Turbinenrads. Das dauert mit Sicherheit am längsten. Wir hoffen, im November mit der Montage beginnen zu können, sodass wir die Wasserkraftturbine noch dieses Jahr wieder zum Laufen bringen.

Die Fellbergmühle

1767: Romanus Siegele und Mathias Gusenburger bauen die ursprüngliche
1922: Ende des Mahlbetriebs.
1927: Peter Hartfuß, Uhrmacher und Tüftler, erwirbt das Gebäude und baut eine feinmechanische Werkstatt auf. Dafür tauscht er das Mühlrad gegen ein Wasserrad zum Antrieb feinmechanischer Maschinen.
1929: Das Wasserrad wird gegen die heutige Francis-Turbine getauscht.
1931: Entwicklung und Patentierung der Trauring-Graviermaschine Cardan, die noch heute läuft – eine der erfolgreichsten Eigenentwicklungen des Betriebs.
1977: Die feinmechanische Werkstatt schließt, 20 Jahre lang bleibt das Gebäude von nun an ungenutzt.
1997: Die Fellenbergmühle erhält Denkmalschutz, das Feinmechanische Museum öffnet seine Tore.
2017: Entschluss zur Sanierung der Wasserkraftturbine, da diese stark verrostet ist und die nötige Drehzahl zum Betrieb nicht mehr erreicht.
2018 April: Die Firma
Wiegert & Bähr baut mit Unterstützung der Stadtwerke Merzig das Schaufelrad der Francis-Turbine aus.
Voraussichtlich November: Einbau des neuen Schaufelrads.


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Den Start unserer Stadtwerke-Facebook-Seite läuteten wir mit einer ganz besonderen Aktion ein: Jeder Fan, den wir bis zum Deutschen Mühlentag am 21. Mai gewannen, war uns einen Euro Spende an die Fellenbergmühle wert. Die Facebook-Aktion spülte schließlich 1000 Euro in die Kasse – denn wir rundeten den durch unsere starken 844 Fans gewonnenen Betrag auf.

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